Auch wenn er nicht sprechen oder schreiben konnte, seine Skizzen waren so aussagefähig, dass er fast immer mitteilen konnte, was ihm auf der Seele lag.
Wenn er Papier bekam, konnte er sich mit kleinen Zeichnungen und Karikaturen, die er für Marktbesucher anfertigte, sogar ganz gut über Wasser halten und fütterte oft genug noch einige seiner Freunde und natürlich seinen Hund mit durch.
Leichtes Schneetreiben hatte eingesetzt, und inzwischen fühlte er seine ungeschützten Hände und Füße wirklich nicht mehr. Lautlos humpelte er noch ein wenig weiter, rutschte unter ein Gebüsch und presste sich an den Boden.
Aus der Kutsche drang nun nur noch ein leises Wimmern und auch Benjamin in seinem Versteck wimmerte vor Angst und Kälte in seinem Versteck.
Da flog mit einem Mal der Schlag auf und ein Mann im Hemd und ohne Mantel wurde hinaus gestoßen. Er schlug mit dem Gesicht in eine Pfütze.
Als der Fremde die Augen hob, trafen sie sich mit denen des Jungen. Benjamin sah, wie der Mann kurz erstarrte, dann aber versuchte, sich nichts anmerken zu lassen.
Er erkannte den jungen Mann sofort, und seine Lippen formten lautlos die Worte:„Hau ab!“ Benjamin erstarrte.
Der Mann hatte keine Zähne mehr, sein sonst so gepflegtes Haar hing wirr und blutverklebt in die Stirn und aus seinem Gesicht sprach die blanke Angst.
Hinter ihm sprang ein dunkelhaariger Mann leichtfüßig aus der Kutsche, riss den im Schlamm Liegenden aus dem Dreck hoch und zog ihn auf die Füße.
Auch sein Kumpan, der die Zügel geführt hatte, sprang nun vom Kutschbock, katzengleich, eine Pistole mit auffälligen weißen Intarsien entlang des gezogenen Laufs in der Hand.
Beide Männer trugen ihre verfilzten Haare im Nacken zum Zopf gebunden. Unter wüstem Schimpfen und sich überschlagendem Gelächter trieben sie ihr Opfer nun vor sich her den Weg hinab. Benjamin begriff und seine Augen füllten sich mit Tränen.
Stumm und mit schreckgeweiteten Augen sah er zu, wie die beiden einem rotblonden und einem schwarzen Kater gleich, ihre „Maus“ zu Tode spielten. Immer wieder rissen sie den Wehrlosen hoch, traten und schlugen auf ihn ein,
stießen ihn dann unter weiteren Schlägen und Tritten einander zu und in den Dreck, der sich zu dieser Jahreszeit im Umkreis von 20 Meilen in der Ebene um Leipzig herum auszubreiten pflegte.