„Du musst auf jeden Fall zum Polizeiamt nach Leipzig. Du weißt doch, dass das beim Pauli in den falschen Händen ist,
der kriegt das nicht hin! Ich schicke Klein Max zu ihm, wenn du weg bist, dann sind wir aus dem Schneider.“
Amtmann Pauli war als braver Mann bekannt. Aber Max war derselben Ansicht wie Elisabeth.
Mit einem solchen Fall war er überfordert, und außerdem war er denkfaul und bequem.
Nicht auszudenken, was auf Max selbst zukäme, wenn Pauli sich die Sache zu einfach machte.
Also ging er den Jungen entgegen, die die Schweine fort gebracht hatten, und schärfte allen ein, den Hof bis zu seiner Rückkehr nicht zu verlassen.
Vielleicht waren die Mörder ja noch in der Nähe, wenn er das auch für unwahrscheinlich hielt.
Der Hund spürte die Beunruhigung der Familie, rieb sich immer um ihn herum und suchte Körperkontakt. Max machte sich auf den Weg in die Stadt.
Von Liebertwolkwitz bis nach Leipzig ritt man unter normalen Bedingungen in einer halben Stunde, aber heute kam Max nicht gut voran.
Immer wieder blieb er im Stau der Marktbesucher stecken. Ungeduldig drängte er sich nach fast einer Stunde im Gewühl mit seinem Pferd durch das Peterstor und gelangte in die innere Stadt.
Max Wiegandts Pferd wäre beinahe ausgeglitten, als es auf den Naschmarkt einbog, herum gerissen vor einem im scharfen Trab vorbei schießenden Esel, der Feuerholz auf dem Rücken transportierte.
Die Last überragte ihn um ein dreifaches seiner eigenen Größe. Sein Eigentümer und er kamen vom Grimmaischen Platz, wo Holzhändler und Kohlenkerle ihre Ware an die Höker verkauften, die damit wiederum von Gasse zu Gasse zogen. Sie hatten es immer eilig, weil die Konkurrenz auch nicht schlief, und man wich ihnen besser aus, denn sie taten es nicht.
„Pass doch auf!“ brüllte Wiegand, Der Eselsbesitzer würdigte ihn keines Blickes. Er trabte vor dem Esel her und bog nun hinter Max linkerhand in eine Gasse ein, wo man sein Geschrei nach „Platz da, Platz da!“ noch eine Weile hörte, bis es sich im allgemeinen Lärm verflüchtigte.